| Seit Jahren
wird über die Zuwanderung nach Deutschland und die
in Deutschland lebenden Zuwanderer diskutiert. Interessant
dabei ist die Tatsache dass, es unter den Zuwanderern
Menschen gibt, die überhaupt nicht zugewandert, sondern
in Deutschland geboren sind. Die Mitglieder dieser Gruppe
sprechen sehr gut deutsch, haben die deutsche Staatsangehörigkeit
zählen sich aufgrund der ethnischen Identität
jedoch zu den Zuwanderern.
Das Thema Zuwanderung war in der Vergangenheit stärker
und Heute immer noch mit Emotionen der Gastgeber und
Zuwanderer belegt. Durch die Diskussion über die
Green-Card und das Zuwanderungsgesetz wurden zwar Tendenzen
von Rationalität sichtbar. Einige politische Parteien
bzw. Politiker versuchen das Thema immer noch in emotionalen
Grenzen halten, um Ängste in Deutschland zu schüren
und bei den Wahlen davon zu profitieren.
Als die ersten Zuwanderer Anfang der 60er Jahren nach
Deutschland kamen, war es für sie klar, dass sie
nach einer bestimmen Zeit in das Heimatland zurückkehren
wollten. Sie hatten ihr Leben so geordnet, dass sie
Deutschland relativ zügig und unkompliziert verlassen
konnten. Sie haben Wohnungen gemietet und sie so eingerichtet,
als ob sie nur vorübergehend wohnen wollten. Viele
haben ihre Familien nicht nachziehen lassen. Diese Ansicht
hat bis Ende der 90er Jahre angedauert. Laut Umfragen,
die in den 90er Jahren durchgeführt wurden, wollte
der Großteil der so genannten "Gastarbeiter"
bei nächst möglicher Gelegenheit, spätestens
jedoch beim Renteneintritt, in ihre Herkunftsländern
zurückkehren. Die heutige Situation zeigt, dass
nach 30 Jahren Immigration die Ansichten der Immigranten
sich verändert haben. Aus dem Gastland wurde eine
Quasi Heimat. Das Vertrauen in die Systemlösungen
und die Wirtschaftskraft haben eher die Bindung nach
Deutschland verstärkt und den Wunsch nach der Rückkehr
trat in den Hintergrund. Hinzu kommt es noch, dass die
Bevölkerung des Heimatlandes die Immigranten auch
als verändert ( anders ) ansieht.
Sowohl die deutsche Politik, als auch die deutsche
Bevölkerung hat angenommen, das die hier lebenden
"Ausländer" nach einer bestimmten Zeit
in ihre Herkunftsländern zurückkehren würden.
Aus diesem Grund hat die Politik kein schlüssiges
Integrationskonzept für die Zuwanderer entwickelt.
Die Situation, dass Menschen, die seit fast 40 Jahren
in Deutschland leben und nicht ausreichend Deutsch sprechen,
ist eine Folge dieser Politik.
Die deutsche Gesellschaft ist mental nicht darauf eingestellt,
dass die Immigranten für immer hier bleiben würden.
Es entwickelte sich zwischen den Deutschen und den Zuwanderern
keine Beziehung, deren Grundlage Verständnis der
Kulturen ist
Die Überfremdungsangst ist das Hauptargument,
das dieses Thema so emotionalisiert, dass es fast unmöglich
ist, eine vernünftige, sachliche Diskussion zu
führen.
Der Beweis der These, dass Zuwanderung nicht nur negative,
sondern auch positive Aspekte hat, muss nicht unbedingt
durch eine wissenschaftliche Studie gesondert belegt
werden. Ein Blick zu anderen Einwanderungsländern
würde genügen. Die USA ist dafür das
am meisten zitierte Beispiel. Deutschland braucht langfristig
Einwanderung, Die demografische Entwicklung der Bevölkerung
in Deutschland fordert geradezu heraus, die Defizite
in den sozialen Absicherungssystemen durch Einwanderung
zu reduzieren.
Die gesellschaftliche Situation der in Deutschland
lebenden türkisch stämmigen Immigranten hat
sich aus Eigendynamik so entwickelt, dass Parallelgesellschaften
entstanden, die aufgrund ihrer Nachteile für beide
Bevölkerungsgruppen unerwünscht sind. Es ist
in einigen Städten Deutschlands möglich, ohne
jegliche Deutschkenntnisse sich frei zu bewegen und
sein alltägliches Leben zu gestalten. Ein Türke
kann türkisch einkaufen, fernsehen, sich amüsieren
ohne ein Wort deutsch zu sprechen.
Es gibt natürlich auch positive Entwicklungen
insbesondere im Wirtschaftsbereich. Viele Türken
haben Unternehmen gegründet, haben Arbeitsplätze
geschaffen und beschäftigen nicht nur türkischstämmige
Bürger. Viele Einwanderer aus der zweien und dritten
Generation haben hier studiert und bekleiden in der
Wirtschaft und Verwaltung verantwortungsvolle Aufgaben.
Sie sprechen beide Sprachen, kennen die Landesmentalitäten
und gelten deshalb als Mittler zwischen den Kulturen,
Ländern sowohl zu den Heimatländern als auch
nach Deutschland. Die Vorteile in der Außenwirtschaft
liegen da klar auf der Hand.
Politisch haben sich die hier lebenden Türken
so organisiert, dass diese quasi eine Art Auslandsvertretung
für irgendwelche türkische Parteien oder religiöse
Gemeinden aus der Türkei in Deutschland immer noch
sind. Es gab kaum Organisationen, die sich über
die Problematik der in Deutschland lebenden Türken
Gedanken gemacht haben.
Vor diesem Hintergrund haben wir uns in Hamburg-Mitte
mit Unterstützung von Johannes Kahrs vor drei Jahren
mit Einverständnis der Parteiführung in der
Hamburger SPD zusammengesetzt, um in diesem politischen
Feld tätig zu werden. Wir haben uns damals "Deutsch
Türkisches Forum" genannt.
Der Grund wieso dieses Forum gegründet wurde,
welches sich nur auf eine ethnische Minderheit bezogen
hat und nicht die Problematik alle Immigrantengruppen
sich zum Ziel gesetzt hat sind die Erfahrungen die man
in der Vergangenheit sowohl in den deutschen politischen
Parteien als auch in anderen Einwanderungsländern
gemacht hat.
Politische Aktivitäten die sich auf die Einbindung
und Integration von Immigranten in die Parteien und
in die politische Meinungsbildungsbildungsprozess haben
in der Vergangenheit nicht die gewünschte Effektivität
gebracht, die ursprünglich erwartet wurde. Auch
die Erfahrungen von den Aktivisten des Deutsch Türkisches
Forums haben gezeigt, das das Ziel, bestimmte ethnische
Gruppen in das politische Meinungsbildungsprozess einzubilden
besser zu erreichen ist, wenn die Aktivitäten speziell
auf eine ethnische Gruppe ausgerichtet ist.
Charakteristisch für die Mitglieder des Deutsch-Türkischen-Forums
ist, dass sie Demokraten sind, für soziale Marktwirtschaft
stehen und apolitisch im Verhältnis zu ihren Herkunftsländern
stehen. Die Religion bleibt dabei eine persönliche
Sache. Sie haben aber den Willen zur Integration und
nicht zur Assimilation. Überwiegend haben sie die
deutsche Staatsangehörigkeit, entstammen der zweiten
oder dritten Emigrantengeneration und sind selbstverständlich
Mitglieder der SPD.
Das Forum hat sich damals bei der Gründung folgende
grundsätzliche Ziele gesetzt:
- Durch die Einbeziehung der türkischen Mitbürger/
innen in den politischen Meinungsbildungsprozess soll
die Integration dieser in die deutsche Gesellschaft
und dessen Institutionen beschleunigt werden.
- Das Forum soll mit Veranstaltungen und Aufklärungsarbeit
das Interesse der türkischen Mitbürger und
Mitbürgerinnen an politischen Meinungsbildungsprozess
und politischen Parteien wecken.
- Weiterhin hat das Forum das Ziel, die SPD in diesem
Fall aber generell die demokratischen Parteien für
die Probleme der hier lebenden Immigranten und speziell
Türken zu sensibilisieren.
- Als letztes Ziel, die Mitgliedschaft der Immigranten
und in diesem Fall der in Deutschland lebenden Türken,
die zu der zweiten und dritten Generation gehören
in die politischen Parteien zu forcieren.
Die Aktivitäten des Deutsch Türkisches Forum
richteten sich seit drei Jahren nach der Erreichung
der oben genannten Ziele.
Das Forum organisiert durch die türkisch sprachige
Medien für die türkische Gesellschaft treffen
mit Politikern mit dem Ziel, für die SPD zu mobilisieren.
Hierzu wurden regelmäßig Veranstaltungen
mit prominenten Persönlichkeiten, wie z.B. Wolfgang
Thierse, Vural Öger oder Olaf Scholz organisiert,
bei denen über die Problematik der Immigration
diskutiert wurde. Es wurden die türkischsprachigen
Medien dazu genutzt die Interessiertenzahl in den Veranstaltungen
zu erhöhen. Alle Veranstaltungen wurden auch von
zahlreichen Immigranten besucht.
Die Vorstandsmitglieder des Deutsch Türkisches
Forum haben durch ihre Präsenz in den türkischsprachigen
Medien Aufklärungsarbeit geleistet und die Immigranten
dazu aufgerufen, sich in den politischen Parteien zu
engagieren.
In den "Kennen lernen Abenden" wurden Immigranten
der zweiten und dritten Generation Kenntnisse über
das demokratische Staatssystem in Deutschland vermittelt.
Es wurde die Wichtigkeit der politischen Arbeit in den
Parteien dargestellt und empfohlen auch Mitglied in
politischen Parteien zu werden.
Einige Vorstandsmitglieder wurden durch diese Aktivitäten
in der türkischen Öffentlichkeit bekannt.
Sie wurden oft zu den Veranstaltungen der türkischen
Vereinen und Verbänden als Redner eingeladen, wo
sie über allgemeine politische Ereignisse in Deutschland
vorgetragen haben.
Das Deutsch Türkische Forum hat auch ein Internetseite
eingerichtet, auf der die Interessierten sich über
die Aktivitäten des Forums informieren können.
Sowohl bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg, als
auch bei der Bundestagswahl hat sich das Forum aktiv
darum bemüht, das Interesse der hier lebenden Türken
auf die Wahlen zu lenken.
Im Rahmen der Kampagne "Wir für Schröder"
hat das Forum mit Prominenten aus der Wirtschaft, Sport,
Kultur ( Darius Michalczewski, Vural Öger, Bruno
Bruni, Fikriye Selen u.a.) eine große Veranstaltung
organisiert, wo sich diese Prominenten vor der Presse
für die Wiederwahl von Gerhard Schröder ausgesprochen
haben.
Das Forum wird weiterhin seine Aktivitäten fortsetzen,
um Immigranten weiterhin in den politischen Meinungsbildungsprozess
einzubeziehen und dort Brücken bauen, überall
dort wo es nötig ist.
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